Zwei Treffer für die Geschichtsbücher

26.09.2019
ai
Facebook
Twitter
Google+
http://www.tus-ennepetal.de/zwei-treffer-fuer-die-geschichtsbuecher">
Auch Interessant
Zum zwischenzeitlich 1:1 trifft Moritz Müller. Schließlich verliert der TuS Ennepetal das Gruppenspiel im Pfingstturnier gegen Malmö FF mit 1:4. (Foto: Marinko Prša / Westfalenpost)

Zwei Treffer für die Geschichtsbücher – und beide Torschützen setzen ihre Karrieren im Oberliga-Kader des TuS Ennepetal fort.

Es ist noch gar nicht so lange her. Es war Juni. Moritz Müller lag abends in seinem Bett im Hotelzimmer der Schwelmer Altdeutschen Bierstube. „Es kommt nicht oft vor, dass Ennepetal bei dem Turnier ein Tor schießt. Und so eins“, sagt er, „hat Ennepetal noch nie gesehen.“ Auch seine Mitspieler waren aus dem Häuschen und guckten sich das Video zu dem Tor zig Mal auf ihren Handys an, keiner konnte es fassen, dass sie gegen Malmö FF zum zwischenzeitlichen 1:1 ausglichen. Am Ende verloren sie aber.

Müller und seine Mitspieler spielten vor ein paar Monaten das aller letzte Ennepetaler Pfingstturnier und vertraten die Jugendabteilung des Gastgebers. Das taten sie besser, als es die meisten Mannschaften vor ihnen taten. Gegen den Gegner aus St. Pauli wurde es sogar noch unglaublicher. In der letzten Minute setzte Alperen Erarslan zur Flanke an, Tim Salzmann stieg hoch und köpfte zum Ausgleich ein. Und der sollte auch die letzten Sekunden halten – und in die Geschichtsbücher des Turnieres eingehen. Salzmann lag wie auch Müller damals erschöpft und mit kaputter Nase im Bett und sagte: „Das war ein geiles Gefühl, das werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Ich hatte Tränen in den Augen.“

Unterschied wie Tag und Nacht

Nach dem letzten Spiel des Turnier trennten sich die Wege einiger Spieler, die teils schon jahrelang zusammenspielten. Sie standen einen Tag nach dem Turnierende oben am Bremenstadion und es wurden die Altjahrgänge, die nun im Seniorenbereich sind, verabschiedet.

Seitdem sind ein paar Monate vergangen. Moritz Müller hat als einer von zwei Spieler den Weg in die Oberliga geschafft. „Das ist eine ganz andere Welt und ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt er und spricht davon, dass es ein geiles Gefühl ist, Oberliga-Spieler zu sein.

Am ersten Spieltag kam er für ein paar Minuten auf das Feld, gab sein Debüt. Das waren seine bisher einzigen Minuten. Müller denkt aber, er wird in Zukunft noch mehr auf dem Feld stehen. Wenn er bei Trainer Alexander Thamm nicht zum Einsatz kommt, spielt er in der zweiten Kreisliga-Mannschaft. Dort hat er bisher vier Tore geschossen.

Der andere, der den Sprung in die erste Mannschaft schaffte, ist Tim Salzmann. Er und Müller spielten jahrelang in der Jugend des Vereins. Der Dritte im Bunde, der Ennepetal erhalten geblieben ist, heißt Kevin Herter. Er spielt in der zweiten Kreisliga-Mannschaft. Für ihn, wie auch für viele andere, steht neben dem großen Bruch im Fußball auch ein anderer Bruch an. Herter machte Abitur, fängt bald ein Studium an. Andere wie Müller sind dabei, ihre Ausbildung abzuschließen.

Ein großer Teil ist nach der letzten Saison in der Jugend verblieben. Sie stoßen erst im kommenden Jahr in den Seniorenbereich. Einer von ihnen ist Frank Smeenk. Er ist Abwehrspieler und der Kapitän der neuen Mannschaft. In die Saison startete die Mannschaft von dem Trainer Karl Knoche eher mäßig. Sie gewannen erst ein Spiel. Dabei offenbarten sich vor allem Schwächen in der Defensive. Smeenk sagt: „Die Vorbereitung war nicht gut. Viele waren im Urlaub und wir konnten nicht mit dem vollen Kader trainieren.“ Auch den Start ordnet er nicht gut ein. „Wir waren aber in jedem Spiel die bessere Mannschaft, haben nur die Tore nicht gemacht und zum Teil unnötige Gegentore bekommen“, schildert er seine ersten Eindrücke der neuen Saison.

Für viele ist Zukunft ungewiss

Smeenk ist einer von denen, die das Pfingstturnier nicht mehr spielen werden diese Saison. „Das ist schade“, sagt der Abwehrspieler, der gerade sein Abitur macht. Er wünscht sich, in der kommenden Saison zur ersten Mannschaft zu stoßen. Auf seiner Position sind aber mit Tim Salzmann und Linus Frölich bereits zwei junge, ehemalige Jugendspieler in dem Kader der Oberliga.

Auch Jan Kumpmann ist einer, der schon seit Jahren im Verein ist und nun in sein letztes Jugendjahr geht. Für ihn steht der Schritt zu den Herren erst in einem Jahr an. „Mir ist noch nicht klar, wie es danach weitergeht“, sagt er „ich freue mich aber schon jetzt darauf, bei den Senioren zu spielen, weil dort das Tempo höher ist“, erzählt er weiter. Im Moment ist Kumpmann noch verletzt und steigt nach einem Muskelbündelriss im Oberschenkel, den er sich übrigens bei dem Pfingstturnier zuzog, wieder ins Training ein.

Kumpmann hat in diesem Jahr sein Abitur gemacht und möchte im nächsten Jahr studieren. Es steht aber wie auch im Fußball dort nicht fest, was genau er machen möchte und wird. Kumpmann nutzt die Zeit bis dahin, in unserer Redaktion als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Er interessiert sich für den Journalismus.

Neben Spielern wie Kumpmann gibt es noch die Gruppe, die mit dem Fußball aufgehört hat. Neben Thorsten Kucher und Bülend Can hörte auch Alperen Erarslan kürzlich auf. Nach der letztjährigen Saison entschied er sich, nach Rüggeberg zu wechseln. Nach der Vorbereitung verließ er den Verein aber wieder. Der Grund: „In der Kreisliga steht eher der Spaß im Vordergrund. Ich möchte in die Bezirksliga und habe mehr Spaß, wenn die Mannschaft ambitionierter ist.“

Ziel: Rückkehr in die Landesliga

Deswegen steht für ihn auch fest, dass er wieder anfangen möchte. Das liegt aber noch ein wenig in der Zukunft. „Ich war schon länger der Meinung, dass ich eine Pause brauchte, um besser zurückzukommen und den Fußball zu vermissen“, erzählt Alperen Erarslan, der auf Lehramt studiert.

Ein Teil der Geschichte der vergangenen Saison der A-Jugend ist auch die Meisterschaft. In der Bezirksliga sollte es hoch hinaus gehen und im besten Fall die Rückkehr in die Landesliga realisiert werden. Dort aber scheiterte die Mannschaft um Betreuer Ahmet Erarslan. Kurz vor Ende der Saison verloren sie gegen den späteren Meister SpVg Hagen 11 und verloren entsprechend den Meisterschaftskampf, in dem sie lange mitmischten. Der Betreuer Ahmet Erarslan ist auch in dieser Saison wieder mit dabei und möchte bald seinen Trainerschein machen.

Für all die Spieler von Ahmet Erarslan trennten sich vor ein paar Monate die Wege. „Der Großteil der Mannschaft spielte seit der D-Jugend zusammen“, sagt Erarslan, der darin auch den Grund für den Erfolg sah. „Wir waren charakterlich stark genug, um auch die schwächeren Phasen zu überwinden.“

In der neuen Saison wird es kein Pfingstturnier geben, was möglicherweise die Motivation etwas schmälert. „Das Turnier war nicht nur eines, das an einem Wochenende gespielt wurde, sondern hat über die gesamte Saison hinweg motiviert”, so der Spieler Alperen Erarslan. In der neuen Saison müssen die Ennepetaler Jugendspieler ohne diese Motivation auskommen,



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis
Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.
Autor: Lukas Brechtefeld
www.wp.de