Von der Wache direkt zum Platz

18.04.2019
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Stets ein sicherer Rückhalt für den TuS Ennepetal: Torwart Marvin Weusthoff – hier bei einer Parade im Heimspiel gegen die Hammer SpVg. Seit sechs Jahren ist er am Bremenplatz aktiv. (Foto: Misch / Westfalenpost)

Fußball-Oberliga: Marvin Weusthoff ein Hüter des Gesetzes und des Gehäuses vom TuS Ennepetal. Heute Abend im Einsatz im Derby gegen die TSG Sprockhövel.

Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Die Zeit rennt und auch wenn die Augen müde sind, gilt es für Marvin Weusthoff, keine Zeit zu verlieren. Der Torwart des Fußball-Oberligisten TuS Ennepetal hat gerade die Polizeiwache in Hattingen verlassen, mit gepackter Tasche macht er sich auf den Weg zum Spiel. Er verlässt die Wache nicht, weil er etwas verbrochen hat – ganz im Gegenteil. Der 29-Jährige ist Polizeibeamter im Leben abseits des Spielfeldes. Hütet er also nicht gerade das Tor vom Team des TuS, hütet er das Gesetz.

„Einen besonderen Beschützerinstinkt würde ich mir jetzt aber nicht nachsagen“, sagt Weusthoff. Er passt halt gerne auf Dinge auf. Egal, ob es das Tor des Oberligisten ist oder die Einhaltung von Gesetzen. Seit drei Jahren ist er nun ausgebildeter Polizist, weitere drei Jahre absolvierte er in diesem Beruf, während der dualen Ausbildung inklusive Studium. Zuvor war Weusthoff als Bürokaufmann tätig, irgendwann wird ihm diese Tätigkeit aber zu eintönig. „Die Arbeit im Büro hat mir keinen Spaß gemacht“, sagt er. Also entschließt er sich, zur Polizei zu gehen. Gleichzeitig wechselt er vom TuS Heven zum anderen TuS ein paar Kilometer weiter. Sechs Jahre ist er inzwischen schon in Ennepetal aktiv – er ist kaum noch wegzudenken.

Von Nachtschicht nach Erndtebrück

Dass der Schichtdienst bei der Polizei und sein Hobby in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse manchmal schwer zu vereinbaren sind, macht seine Leistung für den Verein gehaltvoller. Denn Weusthoff opfert viel Zeit für den Sport, oft macht er sich direkt von der Wache aus auf den Weg zum Platz. Wie beim Hinspiel in Erndtebrück. „Da hatte ich Nachtschicht von Sams-auf Sonntag. Dann habe ich ein paar Stunden geschlafen, bin nach Erndtebrück gefahren und danach stand ich um 22 Uhr wieder auf der Wache“, berichtet er. Es war Aufwand, der sich gelohnt hat, schließlich war Weusthoff einer der Sieggaranten beim 1:0-Auswärtssieg.

So wie er schon in der Spielzeit und in der Vergangenheit eine sichere Bank für TuS Ennepetal ist. Dass die Rückrunde nicht so erfolgreich läuft wie die sensationelle Hinrunde der Thamm-Elf, sieht er pragmatisch. „Das ist zwar eine alte Fußballer-Weisheit, aber Glück und Pech gleichen sich halt immer aus. Das Glück, was wir teilweise in der Hinrunde hatten, ist uns in der Rückrunde abhanden gekommen“, sagt er. Er spielt mit dem angesprochenen Glück auf die knappen und erst spät in den Spielen entstandenen Siegen in Gütersloh oder Erndtebrück an. „Wir haben aber auch sehr gut gespielt“, sagt er.

Das Derby am heutigen Gründonnerstag gegen die TSG Sprockhövel sieht er als nicht allzu brisant an. „Das ist für mich nichts anderes als gegen Brünninghausen“, sagt er. Er erwartet ein Spiel auf Augenhöhe, schließlich kennen sich beide Teams sehr gut. So steht zum Beispiel auf Sprockhöveler Seite mit Luca Hauswerth ein Spieler auf dem Feld, den Weusthoff noch gut aus der gemeinsamen Zeit im Bremenstadion kennt.

Klar ist aber, dass heute Abend in Sprockhövel keine Rücksicht auf alte Freundschaften genommen wird. „Ich würde schon noch ganz gerne die 50-Punkte-Marke knacken“, formuliert er sein Ziel für die restliche Saison. Den Klassenerhalt haben die Ennepetaler nach dem Sieg in der Vorwoche so gut wie sicher, nur theoretisch muss der TuS noch die hinteren Plätze im Auge behalten. Die Erleichterung nach dem jüngsten Erfolg nach zehn Spielen ohne Sieg in Serie war groß. Denn durch eben diesen werden die Ennepetaler auch in der kommenden Saison wieder in der Oberliga spielen – mit Marvin Weusthoff zwischen den Pfosten. Der Gesetzeshüter hat für eine weitere Saison zugesagt, das Tor des TuS zu bewachen. Da ist es auch in guten Händen.



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis
Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.
Autor: Fabian Vogel
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