Vier Flüchtlinge spielen in der U18-Mannschaft des TuS Ennepetal. Relevanz der Sportart im Spracherwerb.

25.04.2019
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Taha Said (2.v.l.) inmitten seiner Mannschafts-Kollegen der Bezirksliga-U19 des TuS Ennepetal. Er ist seit zwei Jahren hier im Land, flüchtete aus der syrischen Stadt Idlib. (Foto: Lukas Brechtefeld / Westfalenpost)

Wie funktioniert die tägliche Zusammenarbeit im Fußball mit Flüchtlingen? Was gibt der Fußball den Flüchtlingen? Und hilft er beim Spracherwerb?

Am Bremenplatz 33 sind die ersten Spieler der U18 des TuS Ennepetal zugegen. Trainer Michael Klein geht in den Geräteraum neben dem Kunstrasenplatz, es regnet und es wird dunkel. In seiner Mannschaft spielen vier Flüchtlinge, manche erst seit Kurzem und können kaum die deutsche Sprache. „Die Trainingsarbeit ist problematisch, weil sie die Sprache nicht verstehen. Ich kann ihnen nicht sagen, was sie machen sollen“, eröffnet Klein.

Fußballer, keine Flüchtlinge

Klein erklärt, dass sie dann nachmachen, was sie sehen. Für ihn als Trainer sind Flüchtlinge nicht Flüchtlinge, sondern Fußballer. Der Übungsleiter der A-Junioren sagt, dass das Menschen seien, mit denen er Fußball spielt. „Fußball verbindet, Fußball wird überall gespielt“, so Klein, der meint, während seine Spieler auf dem Platz stehen: „Ich würde als Unwissender nicht sehen, wer von denen die Flüchtlinge sind – sie fallen nicht auf.“

Während er spricht, trudeln zeitversetzt die ersten drei Flüchtlinge seiner Mannschaft ein, einer, der schwarz ist und nur Französisch versteht, der gefragt wird, wo er die Sonne gelassen habe. Darauf wirkt er verwirrt, guckt in den Himmel. Als vierter kommt Taha Said – mit dem wir sprachen.

In Idlib bereits Fußball gespielt

„Fußball bedeutet für mich alles. Ohne Fußball kann ich nicht leben“, beschreibt Said, welche Rolle dieser Sport für ihn spielt. Er ist seit zwei Jahren hier im Land, flüchtete aus der syrischen Stadt Idlib, wo er auch Fußball gespielt hat. Dort aber habe Fußball nicht so viel Interesse geweckt wie hier. Für seine Integration nahm und nimmt Fußball eine entscheidende Rolle ein. Er spricht von zwei Familien, die er habe. Einmal seine tatsächliche Familie und dann seine Fußballfamilie – seine Mannschaft aus dem Bremenstadion. Deutlich wird die Relevanz der Sportart auch im Spracherwerb. „Alle reden mit mir deutsch – Trainer und Spieler“, so Said, der nach einer gestellten Frage zwar noch Verständnisprobleme hat, nach einer Umformulierung aber versteht, was gemeint ist.

Kontakte helfen bei der Sprache

Taha Said spricht flüssig und verständlich und wirkt so, als kann er das, was er denkt, auch sprachlich ausdrücken. Er empfiehlt jedem, der hierhin kommt und die Sprache nicht sprechen kann, mit Deutschen Kontakte zu knüpfen – etwa über den Fußball. Denn dieser Kontakt mit Muttersprachler würde bei dem Spracherwerb helfen.

Nach dem Gespräch sagt er, dass er nervös gewesen sei, lacht kurz. Es ist schon dunkel und das Flutlicht leuchtet, während er zu seiner Mannschaft stößt, um mit ihnen Fußball zu spielen.



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis
Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.
Autor: Lukas Brechtefeld
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