“Siegener Modell” auch in Ennepetal? Das sagt Thomas Riedel

15.10.2020
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Thomas Riedel, Sportlicher Leiter des TuS Ennepetal, hält Fusionen für folgerichtig – aber nicht bei seinem Verein. (Foto: Ulrich Mittag)

Kaan-Marienborn und die SF Siegen wollen fusionieren. Ist das auch eine Option für Ennepetal und Sprockhövel? Thomas Riedel sieht es anders.

Es ist ein irrer Plan, den der 1. FC Kaan-Marienborn und die Sportfreunde Siegen da schmieden: die Vorstände beider Vereine arbeiten derzeit an einer gemeinsamen Zukunft, um den Siegerländer Fußball in den kommenden Jahren wieder in erfolgreichere Zeiten zu führen. Könnte das auch eine Option für den TuS Ennepetal und die TSG Sprockhövel sein?

In der Saison 2006/2007 spielten die Sportfreunde Siegen noch in der 2. Bundesliga. Nachdem sich Haupt-Geldgeber Christoph Thoma und SF-Vorsitzender Manfred Utsch jedoch vor einigen Jahren zerstritten, ging Thoma seinen eigenen Weg und investierte in den 1. FC Kaan-Marienborn. Was mit Geld im Fußball möglich ist, zeigte sich in den Folgejahren: Der Siegerländer Dorfverein stieg bis in die Regionalliga auf, vor rund zwei Jahren folgte dann aber der unglückliche Wiederabstieg in die Oberliga.

Langfristig in den Profi-Bereich

Nachdem die beiden Vereinsbosse lange Zeit als zerstritten galten, wollen Thoma und Utsch nun wieder an einem Strang ziehen. Im Raum steht eine Fusion und Ausgliederung der beiden Oberliga-Mannschaften in eine Spielgemeinschafts-GmbH. Jugend- und Frauenmannschaften beider Vereine sollen weiter in den Ursprungsvereinen spielen, die ersten Herrenmannschaften sollen mittelfristig wieder den Sprung in die Regionalliga schaffen – und langfristig im Profi-Bereich ankommen.

Für Thomas Riedel, sportlicher Leiter des TuS Ennepetal, sind etwaige Pläne nur nachvollziehbar: „Das macht ja nur Sinn, die beiden Vereine zusammenzulegen. Das ist die einzig logische Konsequenz, denn wenn die Vereine ihre finanziellen Kräfte bündeln, sprechen wir da schnell von einem gemeinsamen Etat in Millionenhöhe“, erklärt Riedel.

Das Dilemma des FC Kaan-Marienborn, Gegner des TuS Ennepetal in der Oberliga, ist derzeit vor allem die mangelhafte Infrastruktur. „Der Verein leistet da seit Jahren sehr gute Arbeit, aber es fehlt natürlich trotzdem an vielen Stellen. Kaan-Marienborn spielt im Endeffekt auf einem Kunstrasenplatz mitten in der Wildnis. Die Spieler müssen sich in Containern umziehen, da sind die Voraussetzungen für höherklassigen Fußball einfach nicht vorhanden“, macht Riedel deutlich. „Die Sportfreunde hingegen haben ein tolles Stadion und eine riesige Tradition. Da kann man schon verstehen, wenn sich die Vorstände Gedanken über eine Zusammenarbeit machen“, so der sportliche Verantwortliche des Oberligisten.

Riedel sieht keine Vorteile

Angesichts solcher Aussagen des Ennepetaler Sportchefs tut sich natürlich die Frage auf, ob auch der TuS sich eine gemeinsame Zukunft mit der TSG Sprockhövel, ebenfalls in der Oberliga aktiv, vorstellen könnte. Doch Riedel wiegelt ab: „Das macht von den Voraussetzungen her überhaupt keinen Sinn. Beide Vereine trennen 15 Kilometer und der finanzielle Vorteil einer solchen Fusion wäre auch so gering, dass man davon nicht viel hätte. Das wäre aus meiner Sicher also absoluter Quatsch, auch wenn ich die Arbeit der TSG sehr schätze“, erklärt der langjährige TuS-Verantwortliche.

Auch eine Fusion mit dem Nachbarverein Blau-Weiß Voerde kommt für Riedel aktuell nicht in Frage: „Die Voerder machen tolle Arbeit, aber die Vorteile, die sich daraus für beide Vereine ergeben würden, wären minimal. Wir hätten vielleicht eine zweite Mannschaft, die in der Bezirksliga spielen könnte, aber das wäre es dann auch. Daher macht auch das überhaupt keinen Sinn.“

Deutliche Kritik am DFB

Langfristig gesehen ist der Weg der Zusammenlegung von mehreren Vereinen aber trotzdem unausweichlich: „Der DFB macht den Amateurfußball einfach kaputt. Ich glaube, dass es den Amateurfußball in seiner heutigen Form in 15 oder 20 Jahren nicht mehr geben wird“, wird Riedel deutlich. „Man sieht ja heute schon, dass immer mehr Jugendmannschaften zusammengehen und da zusammengearbeitet wird. In der Zukunft wird es wahrscheinlich so wie in den USA aussehen, dass es in den verschiedenen Sportarten ein paar Profiligen gibt und das war’s dann. Einfach, weil es keine Funktionäre mehr geben wird, die den Wahnsinn mitmachen“, erklärt der Sportliche Leiter des TuS. „Das mag vielleicht auch mit der Entwicklung der gesamten Gesellschaft zu tun haben, aber der DFB macht es den kleinen Vereinen einfach schwer, zu überleben. Für jedes Passfoto, das nicht online hochgeladen wird, werden 30 Euro Strafe erhoben. Die Gelder versanden dann irgendwo, das kann niemand mehr nachvollziehen. Dazu dann noch die ganzen Skandale um den DFB und dessen Funktionäre. Da sehe ich für die Zukunft einfach schwarz, dass das noch viele Ehrenamtliche mitmachen“, so Riedel.

Er ist daher sicher, „dass in Zukunft immer mehr Vereine zusammengehen werden. In unserer aktuellen Situation macht es aber keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen.“ Ob, wann und wie die Fusion zwischen Siegen und Kaan-Marienborn nun realisiert wird, bleibt abzuwarten. Riedel sagt: „Ich glaube aber, dass es zwangsläufig passieren wird.“


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