Mit aller Energie zur Klimaneutralität

27.10.2020
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Dr. Michael Peiniger (links) und Dr. Uwe Bau vor der neuen Sponsorentafel am Stadioneingang. Darauf positioniert sich der Verein eindeutig: für eine offene und verantwortungsvolle Gesellschaft mit gegenseitigem Respekt und Unterstützung, für eine klare Kante gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, für Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. (Foto: Hartmut Breyer / WP)

Der TuS Ennepetal will bis 2025 klimaneutral werden. Als erste konkrete Maßnahme wird eine Photovoltaikanlage auf dem Vereinsheim installiert.

„Fußballverrückt – familiär – nachhaltig“: So sieht sich der TuS Ennepetal und so prangt es seit Kurzem von der neuen Tafel am Eingang des Bremenstadions. Der Verein hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2025 vollständig klimaneutral zu werden (wir berichteten). Neben Weichenstellungen in personeller Hinsicht und der Entwicklung eines Leitfadens hat der Verein bereits eine erste konkrete Maßnahme vorbereitet. Im ersten Halbjahr 2021 soll auf dem Dach des Vereinsheims eine Photovoltaikanlage installiert werden.

„Dafür ist alles geregelt, von den erforderlichen Anträgen bis zur Finanzierung“, erklärt Dr. Uwe Bau, neben Alexander Ischebeck seit der Jahreshauptversammlung neuer Geschäftsführer des TuS. Die Anlage werde eine Leistung von 20 Kilowatt-Peak haben und jährlich etwa 20.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Zwei große Speicher mit einer Kapazität von je 36 Kilowattstunden sollen eingebaut werden. „Wir versuchen, das Vereinsheim komplett mit Solarstrom zu versorgen. Dafür brauchen wir etwa 10.000 Kilowattstunden im Jahr“, erklärt Bau. Der überschüssige Strom wird ins AVU-Netz eingespeist. Um auch die anderen Bereiche der Sportanlage, die insgesamt 40.000 Kilowattstunden verbraucht, mit versorgen zu können, bedürfe es noch technischer Veränderungen, so Uwe Bau. Es hänge nicht alles an einem Stromkreis.

Ein ganz wesentlicher Baustein auf dem Weg zur CO2-Neutralität ist die Heizungsanlage für das Sportjugendheim. Die wird mit Heizöl betrieben – „und wir heizen durch offene Fenster, um Feuchtigkeit aus den Räumen zu bekommen“, so Michael Peiniger. „Das ist natürlich total ineffizient. Da brauchen wir ein komplett neues Konzept.“ Die Stadt unterstütze bei der Entwicklung, allerdings werde man ein paar Jahre bis zur Umsetzung brauchen. Peiniger betont, dass man mit Augenmaß handeln und die Finanzierung sicherstellen müsse. „Es ist aber wichtig, dass ein Konzept vorhanden ist, wenn passende Fördertöpfe kommen“, ergänzt Uwe Bau.

Auf das Bremenstadion, das in seiner jetzigen Form genau 50 Jahre alt ist, kommt also eine tiefgreifende technische Modernisierung hinzu. Aber auch hinsichtlich der Funktionsfähigkeit und des Erscheinungsbildes besteht Sanierungsbedarf. Die Laufbahn um den Naturrasenplatz ist in schlechtem Zustand, Geländer und Pflasterung wären auszubessern. „Eigentlich müsste man zwei bis drei Millionen Euro in die Hand nehmen, dann hätte man wieder ein ordentliches Stadion“, meint Michael Peiniger, wohlwissend, dass das aktuell utopisch ist. Man spreche aber mit der Stadt, was möglich sei. Nichtsdestotrotz sagt er: „Wir haben ein geiles Stadion“.

2003 hatte der Verein mit der Stadt einen Vertrag über Pflege, Nutzung und Bereitstellung der Sportanlage abgeschlossen. Seitdem baute man in Eigenregie das Vereinsheim und den Tower. Der benachbarte Bolzplatz wurde ganz neu angelegt und 2008 machte die Stadt aus dem Aschen- einen Kunstrasenplatz. Erst kürzlich erneuerte der Verein mit finanzieller Unterstützung der Stadt die maroden Sitzschalen.

Mitglieder tragen Zielrichtung mit

Im Herbst 2019 war der TuS Ennepetal – als zweiter Fußballverein nach der TSG Hoffenheim – der „Allianz für Entwicklung und Klima“ beigetreten (ebenso wie die Stadt Ennepetal). Beim TuS-Neujahrsempfang im Januar stellte Michael Peiniger das Projekt „Pro Zukunft“ vor. Und im Juni beschloss der Stadtrat, den Verein bei der Entwicklung seines Nachhaltigkeitskonzepts für das Bremenstadion zu unterstützen.

Bei den Mitgliedern habe man sich vergewissert, dass das Projekt „Pro Zukunft“ mitgetragen wird, betonen Peiniger und Bau. Nicht zuletzt habe man ein Team von etwa 15 Leuten, dass sich mit dem Thema befasst. Auch die Jugendabteilung trage die Zielrichtung voll mit. Während der konzeptionelle Rahmen gesetzt ist und erste technische Maßnahmen vorbereitet sind, hat der Verein noch keinen Verhaltenskatalog in Sachen Klimaschutz ausgearbeitet. „Das wäre noch aufzuschreiben“, meint Michael Peiniger. Man wolle die aktuell 700 Mitglieder aber auch nicht überfordern. „In erster Linie spielen wir hier Fußball“, unterstreicht Uwe Bau.

Personelle Weichen gestellt

Auch personell hat der TuS Ennepetal die Weichen „Pro Zukunft“ gestellt. Neben Marc Schulte (Öffentlichkeitsarbeit) wurden Dr. Uwe Bau und Alexander Ischebeck als weitere Geschäftsführer gewählt. Während Uwe Bau sich um das Nachhaltigkeitsprojekt kümmert, richtet Alexander Ischebeck den Blick auf das Thema Digitalisierung. So soll die Kommunikation mit allen Mitgliedern ausgebaut werden und Papier komplett durch Online-Information ersetzt werden.

Dr. Michael Peiniger sieht mit dem Einsteigen jüngerer Kräfte ein solides Führungskonzept. „Ich mache mit einem solchen Team auf Augenhöhe gerne weiter“, erklärt er Überlegungen, sich als Vorsitzender zurückzuziehen, vorerst für erledigt.


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