Daus ,,schubst“ Peiniger auf ,,Chef-Sessel“ des TuS Ennepetal

25.11.2019
ai
Facebook
Twitter
Google+
http://www.tus-ennepetal.de/daus-schubst-peiniger-auf-chef-sessel-des-tus-ennepetal">
Auch Interessant
In Sachen Spax-Cup ideale Partner: Michael Peiniger als Vorsitzender TuS Ennepetal und Michael Thomas (r.) als ABC-Geschäftsführer. (Foto: Christina Makarona / Archiv)

Seit 21 Jahren ist er der Vorsitzende des TuS Ennepetal: Michael Peiniger. Die Initialzündung gab es im Januar 1988 durch Paul Daus.

Den größten Tag zu benennen, fällt schwer. Zu viel hat Dr. Michael Peiniger in den vergangenen 21 Jahren als Vorsitzender des TuS Ennepetal bewegt, was ihm persönlich große Freude bereitet hat. Doch genau so klar ist aber auch, dass er diese Erlebnisse eben nur als Vorsitzender erlebt und gemeistert hat. Gewählt wurde Peiniger als solcher am 27. März 1998 – als Nachfolger von August Born. Der ehemalige Bürgermeister der Klutertstadt hatte zehn Jahre zuvor das Amt inne. „Doch die Initialzündung, mich als Kandidat aufstellen zu lassen, kam früher“, so Peiniger.

Eine Initialzündung

Es war zu der Zeit, als er selbst noch dem runden Leder hinterherjagte. Es war die Winterrunde der Alte-Herren-Fußballer der Saison 1997/1998. Der 3. Januar markierte den ersten Spieltag im neuen Jahr 1998. Derjenige, der ihn zur Seite nahm und ihm die Kandidatur und den Vorsitz des TuS Ennepetal schmackhaft machte, trug keinen geringeren Namen als Paul Daus. „Du bist doch Unternehmer und brauchst Dich nur viermal im Jahr sehen zu lassen“, sagte er damals. Denkt Michael Peiniger daran zurück, kommt ein Lächeln über seine Lippen. Ja, dieser Tag als Initialzündung könne als schönster Tag bezeichnet werden.

Turniersieg um ein Jahr verpasst

Der Weg bis zu seinem Amtsantritt ist einfach erklärt. Den Startschuss seiner aktiven Karriere gab Peiniger zusammen mit seinem Bruder Klaus in der Jugend von BW Voerde. In der B-Jugend wechselte er zum TuS Ennepetal, mit dem Ziel, sich sportlich weiterzuentwickeln. Es war das Jahr 1975, in dem Peiniger im traditionellen Pfingstturnier auflaufen durfte. Am Rande: Im folgenden Jahr 1976 verzeichnete der Gastgeber den einzigen Turniersieg in der Geschichte.

„Da hab ich festgestellt, dass mir Fußball sehr viel Spaß macht, ich aber nie und nimmer Profi werden könnte“, erklärt Peiniger. Nichtsdestotrotz stand fest, dass der Fußball immer eine Rolle in seinem Leben spielen würde. Er schaffte den Schritt in die erste Mannschaft, die damals in der Bezirksliga spielt; die damalige fünfthöchste deutsche Liga.

Pfingstturnier macht Spaß

Parallel begann Peiniger sein Physik-Studium, welches dem Fußball immer mehr Zeit raubte. Ab dem Alter von 25 Jahren spielte er in der Reserve, setzte sich des Weiteren vermehrt für den Verein ein. Dabei übernahm er mit seiner Frau Angelika die Betreuung einiger Mannschaften beim Pfingstturnier. „Ich merkte schnell, dass es Spaß macht, in der Gesellschaft und in der Gruppe zu helfen“, so Peiniger.

Über Söhne Kontakt zum Verein gehalten

Der Abstand zum TuS Ennepetal wurde allerdings immer größer mit der bestandenen Doktorarbeit in 1989 und dem folgenden Aufstieg zum eigenen Unternehmer und Geschäftsführer eines Herstellers für Forschungsausrüstungen. Auch der Nachwuchs ließ den Terminplan nicht leer. Heute haben Michael Peiniger und seine Frau insgesamt vier Söhne und eine Tochter, die alle bei BW Voerde mit dem Fußball angefangen, zumal Bruder Klaus Peiniger dort als Trainer agierte. Einige von ihnen gingen ebenfalls den Weg zum TuS, und so war die Verbindung zum Verein stets da. Peiniger selbst spielte noch für eine gewisse Zeit bei den Altherren, war also trotz Berufes und Familie nie komplett vom TuS entfernt.

Als Michael Peiniger mit den Alte-Herren am 3. Januar 1998 ein Spiel der Winterrunde bestritt, nahm ihn Paul Daus – ein Fußball-Urgestein im Kreis – zur Seite. Er solle kandidieren, der TuS Ennepetal brauche einen neuen Vorsitzenden, der schwächelnde Verein brauche eine Veränderung. „Du brauchst Dich nur viermal im Jahr blicken lassen“, erzählt Peiniger lachend über ein Argument, das Paul Daus vorbrachte. Trotzdem nimmt sich Peiniger die nötige Zeit, ist regelmäßig vor Ort und setzt sich regelmäßig mit den Verantwortlichen zusammen. „Für mich ist es wie im Unternehmen. Wenn ich die Verantwortung habe, würde ich gerne das Kommando haben“, so Peiniger.

Der Plan: den Verein erneuern

Peiniger verfolgte von Beginn an einen einen klaren Plan: Das Konzept des TuS Ennepetal sollte komplett erneuert werden. Er fand Mitstreiter. Durch seine rationale Denkweise sorgt er dafür, dass „die richtigen Leute die richtigen Entscheidungen treffen und alle an einem Strang ziehen.“ Peiniger vergleicht die Führung des Vereins mit dem seines Industrieunternehmens und verdeutlicht die wichtigste Regel: „Vernünftige Entscheidungen können nur in Ruhe getroffen werden.“

2004 gelingt wichtiger Schritt

Im Jahr 2004 macht der Verein wichtige Schritte: Zum einen entschied sich der TuS Ennepetal, die Pflege des Bremenstadions in die eigene Hand zu nehmen. Dies führte zu mehr Selbstständigkeit des Vereins. Zum anderen erfolgte der Bau des eigenen Vereinsheims. Mit Kosten von rund 140.000 Euro ein unternehmerisch durchaus mutiger Schritt. Vorsitzender Peiniger gewann dabei das Vertrauen der Stadt sowie deren Unterstützung mithilfe eines Kredites, den der TuS Ennepetal inzwischen abgezahlt hat.

Oberliga-Aufsieg 2012 ein Höhepunkt

Es folgte die sportlich positive Entwicklung, deren Krönung in 2012 der Oberliga-Aufstieg der ersten Mannschaft war. Inzwischen ist es die achte Saison in der höchsten Amateurliga Deutschland. Dennoch ist es für den TuS keinesfalls einfach. Er verfügt über das niedrigste Budget der Liga. „Wir freuen uns über jedes Jahr, das wir in der Oberliga spielen können. Wir haben eine tolle Truppe und einen tollen Trainer. Thomas Riedel macht als Sportlicher Leiter einen super Job. Es ist beachtlich was alle leisten“, sagt Peiniger. Und: „Ohne Angelikas Arbeit für den Verein wäre kaum etwas möglich. Meine Rolle ist die, des im Hintergrund Agierenden und des Repräsentieren.“

„Mich charakterisiert, dass ich keinen größten Tag habe. Wir sind ständig gewachsen“, sagt Michael Peiniger. Seine Denkweise sieht einen großen Plan, der verfolgt wird. So schloss er, als man 2000 noch in der Kreisliga spielte, mit dem damaligen Ennepetaler Bürgermeister Michael Eckhardt die Wette ab, man spiele wenn der Verein 100 Jahre alt wird, sprich 2011, in der Oberliga. Damals unvorstellbar, heute Realität. Und das aus einem einfachen Grund. „ Wenn es mal Diskrepanzen gibt, dann ist Michael wirklich der Stratege, der mit jedem zu jeder Zeit reden kann“, so seine Frau Angelika Peiniger. Denn dann heißt es für ihn: Nur die Ruhe.

Nächstes Projekt: Klimaneutraler Verein

Durch seine Arbeit in der Physik hat sich Michael Peiniger in den letzten Jahren viel mit der Klimaproblematik beschäftigt. So kommt er zu dem einfachen Schluss: „ Wenn die Menschheit es nicht schafft, sich selbst zu disziplinieren, wird es sie in der Form, wie sie heute existiert, nicht mehr geben.“ Ein Satz den viele wahrscheinlich schon so einmal leichtsinnig in den Mund genommen haben. Peiniger versteht die Dramatik als Physiker. Er kann als Vorsitzender des TuS dafür sorgen, dass der Verein mit gutem Beispiel voran geht. Das Umfeld soll mit kleinen Schritten darauf aufmerksam machen und zur Veränderung aufzufordern. Neben Peinigers Unternehmen dient der TuS für ihn nämlich als öffentliche Plattform zur Klimaneutralität. Die Ennepetaler sind neben der TSG aus Hoffenheim der zweite deutsche Fußballverein, der als Unterstützer der „Allianz für Entwicklung und Klima“ gilt.

Peiniger will mit 75 Jahren arbeiten

Die ersten Vorhaben, die Peiniger ansetzte, sind die Analyse des Kohlendioxid-Verbrauches des TuS und die Entwicklung erster Maßnahmen. Einige sind schon im vollen Gange: Das Flutlicht strahlt mithilfe von LEDs, die Wärmedämmung des Clubheims wurde erneuert. Die Liste ist noch lang: Weg vom Plastik, Umstellung auf Gas, Solaranlagen auf den Dächern und notfalls die Leistung von Ausgleichszahlungen für den eigenen ökologischen Fußabdruck. Außerdem kann Peiniger den Verein durch sein Unternehmen auch finanziell fördern. Als Geschäftsführer von RI Research Instruments GmbH mit etwa 230 Mitarbeitern in Bergisch-Gladbach leitet der Physiker den Bau und die Belieferung von Teilchenbeschleunigeranlagen mit weltweiter Reichweite. Daher ist Peiniger sehr geübt in der Arbeit im und mit Vorständen. Als Physiker steht für ihn der technische Fortschritt im Vordergrund, weswegen er als 62-Jähriger plant, auch noch bis 75 zu arbeiten. „Mein Plan ist nicht, die Füße hochzulegen, sondern in Ruhe die Dinge konsequent weiterzutreiben.“



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis

Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.

www.wp.de