„Bolognese reicht nicht mehr“ – Alexander Ischebeck über das Ende des SPAX-Cups

30.01.2019
msc
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Alexander Ischebeck (Mitte) zusammen mit Philipp Rath (links) und Marc Schulte auf der Bühne beim SPAX-Cup 2018 (Foto: Marinko Prsa/WP)

Westfalenpost und Westfälische Rundschau haben mit Alexander Ischebeck über das Ende des Spax Cups nach der 46. Auflage in diesem Jahr gesprochen.

Alexander Ischebeck ist mit dem Pfingstturnier des TuS Ennepetal groß geworden – und seit einem Jahr ist er gemeinsam mit Philipp Rath verantwortlich im Organisationsteam rund um den Spax Cup, der in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden wird. Im Interview verrät er, wie der Verein zu dieser Entscheidung kam, welche Gründe es dafür gibt und wie es in Zukunft weitergehen soll.


Seit einem Jahr sind Sie für den Spax Cup verantwortlich, nun wurde bekannt, dass das Turnier in diesem Jahr das letzte Mal stattfindet. Wie traurig sind Sie darüber?
Alexander Ischebeck: Sehr traurig, ganz klar. Ich bin mit diesem Turnier aufgewachsen, da ich in unmittelbarer Nähe zum Bremenstadion wohne. Mein Vater hat mich damals immer mitgenommen. Er hat sich die Spiele angeguckt und ich bin mit meinem Autogrammheft los. Erst gegen Abend hat man sich dann wieder getroffen. Später war ich dann Balljunge, nun bin ich in der Organisation – es gab also noch nie etwas anderes für mich. Ich muss mir im nächsten Jahr erst einmal überlegen, was ich an Pfingsten mache. 


Welche Rolle spielt der Rückzug des Hauptsponsors Spax nach dem Turnier in diesem Jahr? 
Ohne einen solchen Sponsor ist ein Turnier nicht umsetzbar, das ist klar. Man sieht das bei anderen Turnieren in Düsseldorf oder Dortmund, wo ein großer Sponsor finanziell unterstützt und man sich keine Gedanken um das Geld machen muss. Spax hat uns da jahrelang unterstützt und es durch diese Unterstützung überhaupt erst möglich gemacht, dass das Turnier in dieser Form überhaupt noch stattfinden konnte. Das Turnier stand in den vergangenen Jahren immer wieder auf der Kippe – wir haben es nur hinausgezögert bis es jetzt unausweichlich wurde.


Verspüren Sie auch einen gewissen Ärger über den Rückzug von Spax? 
Nein, wir sind eher dankbar dafür, dass wir so lange auf so einen Partner bauen konnten. Es ist aber generell so, dass das Sponsoring im Amateurfußball immer weniger wird, weil es für die Unternehmen keinen Mehrwert gibt. Da geht es dem Fußball sogar noch sehr gut, andere Sportarten haben da noch viel größere Probleme. Doch die Entscheidung, das Turnier nicht mehr auszurichten, war nicht vorrangig wegen des Geldes.


Welche anderen Gründe gibt es noch? 
Das Finanzielle spielt natürlich eine Rolle, vor allem sind wir diesen Schritt aber wegen der terminlichen Schwierigkeiten gegangen. Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder schwieriger, Teams an Pfingsten zu finden weil die Saison für die Nachwuchsteams dann schon rum ist und die Spieler auch mal frei haben. Lars Ricken vom BVB hat beispielsweise gesagt, dass sie gerne nach Ennepetal kommen, nur eben nicht an Pfingsten. Das haben wir von vielen Vereinen gehört. Dazu kommt, dass das Turnier eigentlich zu groß ist für eine Stadt wie Ennepetal – wir haben nicht genug Hotels oder Parkplätze. Das ist immer ein großer Aufwand gewesen, den wir irgendwie gemeistert haben, der aber in den vergangenen Jahren immer größer wurde. Es reicht den Vereinen zum Beispiel nicht mehr, wenn es Spaghetti Bolognese zu essen gibt. Oder die Hotels entsprechen nicht den Anforderungen der Vereine. Das ist ein Teil der Professionalisierung in diesem Bereich. Nicht umsonst sagen wir, dass es zwar Fußball heißt, es aber eigentlich zwei verschiedene Sportarten sind – Profifußball und Amateurfußball. Das kann man nicht mehr miteinander vergleichen.


Aktuell stehen fünf von acht angepeilten Teilnehmern fest. Wie optimistisch sind Sie, dass Sie noch drei Vereine finden?
Wir sind in Gesprächen und sehr optimistisch, dass wir das Teilnehmerfeld noch voll bekommen. Für das Turnier haben wir mehr als 50 Klubs aus der ganzen Welt konkret angesprochen und mit einigen sind wir auch noch in Verhandlungen.


Für die Zukunft wurden bereits erste Überlegungen für ein neues Turnierformat bekannt gegeben. Welche sind das und welche Planungen gibt es in diese Richtung bereits?
Der Termin wird in die Vorbereitung gelegt, da dieser für die Vereine deutlich attraktiver ist als im Nachgang der Saison. Zudem wird es deutlich regionaler, wir möchten die in unserer Region vorhandenen Traditionsvereine mehr berücksichtigen. Wir haben hier in NRW ja den Luxus, dass wir mit Essen, Wattenscheid oder Wuppertal Vereine um die Ecke haben, die eine große Tradition, viele Anhänger haben und auch guten Fußball im Nachwuchsbereich anbieten. Darüber hinaus haben wir uns noch keine weiteren Gedanken gemacht, wir müssen das Turnier in diesem Jahr ja auch noch einmal abwickeln. Die Wehmut schwingt da aktuell noch sehr mit, aber ich merke im Organisationsteam auch eine große Motivation, nun etwas Neues auf die Beine zu stellen. (Das Interview führte Fabian Vogel)



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis
Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.
Autor: Fabian Vogel
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