Als Ennepetal gegen Wattenscheid 09 spielte

31.10.2019
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Nachdem Ennepetal (mit Kapitän Abdulah El Youbari und Keeper Marco Schulz) Wattenscheid (mit Alexander Thamm) in der Nachspielzeit besiegt hatte, lernt Thamm den Sportlichen Leiter Thomas Riedel in gemütlichen Stunden im Vereinsheim kennen. (Foto: MiSch / Westfalenpost)

Die Insolvenz des Regionalligisten SG Wattenscheid 09 lässt kaum jemanden kalt, der sich für Fußball interessiert. Insbesondere nicht, wenn es eine direkte Beziehung zu dem Klub aus der Lohrheide gab oder gibt. Alexander Thamm, Trainer des Oberligisten TuS Ennepetal, zählt zu diesen Menschen. Zwei Jahre hat er für Wattenscheid gespielt, hat die Aufstiege aus der Westfalenliga bis in die Regionalliga erlebt.

Herr Thamm, die SG Wattenscheid 09 ist vorerst von der Fußball-Landkarte verschwunden. Sie waren einst ein Teil der Mannschaft. Erfüllt Sie die Insolvenz mit Wehmut?

Das stimmt mich mega, mega traurig. Ich habe in Wattenscheid damals sehr viele tolle Leute kennengelernt. Es war eine sehr geile Zeit, die ich nicht missen möchte. Als ich vor etwa sieben Jahren zur Lohrheide kam, stand der Verein kurz vor der Insolvenz und musste sich neu in der Westfalenliga konsolidieren. Da spielten Jungs, die richtig Bock auf Fußball hatten. Das war richtig klasse. Aber als Wehmut würde ich mein Gefühl nicht bezeichnen.

Wie kann man das Gefühl noch formulieren?

Ich bin ein Verfechter der Traditionsvereine. Bei einigen habe ich gespielt wie neben Wattenscheid auch in Klubs wie Erkenschwick, Münster oder Wuppertal. Es ist um jeden dieser Vereine sehr, sehr schade, wenn sie dicht machen müssen.

In Wattenscheid waren Sie dabei, als es einen erfolgreichen Neustart gab. Wie war die Situation?

Es stimmte irgendwie alles. Wir hatten Erfolg, wir kamen irgendwie alle aus dem Ruhrgebiet, hatte alle Bock auf Fußball. Und abends haben wir oft auf ein Bierchen zusammen gesessen. So ist Fußball, wie ich in schätze und liebe. Eine unvergessene Zeit.

Dabei war Ihr persönlicher Start durchaus schwierig.

Na ja, als bekennender Fan des VfL Bochum wurde ich in Wattenscheid natürlich besonders kritisch beäugt. Doch schließlich haben wir alle eine tolle Gemeinschaft entwickelt und gebildet.

Hatten Sie seinerzeit das Gefühl, dass ein Hauch vom alten großen Fußball aus der Bundesliga durch die Lohrheide geweht ist? Allein durch die vielen großen Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden des Vereinsheims, die an die Bundesliga-Zeiten erinnern?

Es waren einige Einrichtungen wie Ermüdungsbecken oder Sauna, die aus der alten Zeit stammten und die wir gerne genutzt haben. Ansonsten muss man schon aufpassen, dass man nicht zu sehr der Nostalgie verfällt.

Wieso nicht? Kann das nicht einen Verein tragen?

Natürlich ist die Geschichte wichtig. Gerade bei Traditionsvereinen. Aber es ist auch gefährlich, sich zu sehr auf die Nostalgie zu beschränken. Man darf einfach nicht zu sehr in der Vergangenheit leben. Man muss gerade im Fußball mit der Zeit gehen.

Hatte Wattenscheid zu viel auf die Tradition geschaut? War die Entwicklung abzusehen?

Das kann und will ich als mittlerweile Außenstehender nicht wirklich beurteilen. Aber die Entwicklung zeigt auch, dass neuere Vereine wie Leipzig oder Hoffenheim, Wolfsburg kann man auch dazu zählen, die Plätze einiger Traditionsvereine eingenommen haben. Die haben ihnen teilweise den Rang abgelaufen.

An welche Traditionsverein denken Sie?

Wattenscheid, Bochum und Duisburg sind da meiner Meinung nach zu nennen. Auch Essen. Dass es nicht ein spezifisches Problem des Ruhrgebietes ist, zeigt das Beispiel Chemnitz.

In drei Spielzeiten hat die SG Wattenscheid gegen den TuS Ennepetal gespielt. 2010/2011 und 2011/2012 in der Westfalenliga sowie 2012/2013 in der damals wieder eingeführten Oberliga. Haben Sie da noch Erinnerungen an die Duelle?

Es gab ein Spiel im Bremenstadion. Da haben wir in der Nachspielzeit verloren. An diesem Abend habe ich Thomas Riedel, der damals schon Sportlicher Leiter in Ennepetal war, kennen gelernt. Damals, im April 2012, habe ich schon die besondere und familiäre rund um das Bremenstadion gefühlt.

Wie das? Durch einen einfachen Plausch am Rande eines Meisterschaftsspiel der Westfalenliga?

Oh nein, das war mehr als ein Plausch. Ich war mit einer Fahrgemeinschaft in Ennepetal und musste nicht fahren. Wir wurden zum Essen ins Vereinsheim eingeladen. Dann gab es auch das eine oder andere Bierchen. Aus einer Stunde wurden zwei und drei. Wir haben uns sofort gut verstanden.

Die erste Bindung also zum TuS Ennepetal?

Vielleicht. Jedenfalls war der Verein damals so aufgestellt und hatte den Charakter wie heute. Mit relativ geringen Mitteln im Vergleich zu anderen Vereinen der Liga viel zu machen. Das gilt genauso, wenn die Mannschaft um den Klassenerhalt spielt wie auch beispielsweise in der Hinrunde der vergangenen Saison, als wir plötzlich in der Spitzengruppe zu finden waren. Das Umfeld bleibt ruhig.

Das hört sich auch so an, als könne man die Situation in Ennepetal mit der von Ihnen damals in Wattenscheid vergleichen?

Durchaus. Zumindest, dass die Spieler in erster Linie den Fußball als Hobby betrachten. Sie haben einen Beruf oder studieren, gehen gar noch zur Schule. Da ist es nicht immer möglich, zum Training oder zu Wochenspielen pünktlich beim Treffpunkt zu sein. Das macht den Amateur-Fußball auch aus.

Wie sehen Sie die Zukunft der SG Wattenscheid 09?

Ich hoffe, dass die Jungs, die bisher dort gespielt haben, wieder gut unterkommen. Zuversichtlich stimmt mich, dass die Jugend noch weiter existiert. Ich hoffe, dass Wattenscheid in tieferen Liegen wieder anfängt und sich konsolidieren kann. Vielleicht haben wir in der kommenden Saison wieder einige Duelle von Ennepetal gegen Wattenscheid in der Oberliga. Das würde mich sehr freuen.



Quelle: Westfalenpost EN-Südkreis

Die Lokalredaktion für den EN-Südkreis mit den neuesten Meldungen aus Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.

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